Tag Archiv für Polizei

Free Freiburg


Unfassbare Geschichten von Willkür hörte man schon in der Vergangenheit regelmäßig aus dem beschaulichen Breisgau. Ob sogenannte „Stadtverbote“ für Heimfans in der eigenen Stadt oder die erkennungsdienstliche Behandlung dutzender Kölner Fans aufgrund einer „beleidigend“ wirkenden Präsentation eines Allerwertesten – die Verantwortlichen der regionalen Polizei neigten wiederholt zu Verhältnislosigkeit und Eskalation. Eine intensive Kostprobe davon bekamen auch gestern Abend die über 2.000 Dynamofans, die ohne das Gefühl eine besonders kritische Partie zu besuchen, zum DFB-Pokalspiel nach Freiburg gereist waren.

Ihr werdet sicherlich bereits diverse hanebüchene Augenzeugenberichte gelesen haben. Diese gilt es zu sammeln, sie detailliert und sachlich aufzuarbeiten, was angesichts dieser für uns neuen Stufe der Repression und Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit nicht leicht fällt. So wurde beispielsweise ein, im Rahmen der x-ten aus unserer Sicht unverhältnismäßigen Zwangsmaßnahme des Tages und der damit verbundenen Busdurchsuchung zwei Stunden nach dem Spiel gefundenes, kleines Messer, welches tagsüber schon umfangreich für fiese Attacken auf Wassermelonen missbraucht worden war und das Fahrzeug, wie auch andere später aufgefundene schlimme Gegenstände, nicht verlassen hatte, zur vermeintlichen Legitimation von Freiheitsentzügen en masse durch die Freiburger Polizeispitze propagiert und im mittlerweile üblichen Agenturmeldungs-Copy&Paste verbreitet und weiter dramatisiert. Angesichts dieser mittlerweile bekannten Mechanismen wirkt es müßig, die Abläufe mit kühlem Kopf zu analysieren und für unsere Interessen zu streiten, aber es ist aus unserer Sicht notwendig. Daher unterstützen wir den Aufruf des Fanprojekts und der SGD.

Wir sehen, unabhängig von der Bewertung der gestrigen Ereignisse und unabhängig vom Wüten der Freiburger Polizeiführung, immer wieder die Notwendigkeit, sich mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, die unsere Interessen bedrohen, zu beschäftigen. Im aktuellen Zusammenhang geht es um eine zunehmende Ausweitung und Konzentration von Befugnissen bei Sicherheitsbehörden, ohne dass es auch nur ansatzweise eine adäquate, effektive und unabhängige Kontrollinstanz gäbe, die uns Bürger vor Machtmissbrauch und Exzessen schützen könnte. Hier wären ernsthafte Sorgen angebracht, liebe Bürger!

Gedanken zum Spiel in Nürnberg

Rund 10.000 Dynamofans konnten am Sonntag in Nürnberg eine weitere starke Leistung unserer Goldfüße bejubeln und taten das auch ausgelassen. Die zwei Verletzungen unserer Leistungsträger Andy Gogia und Erich Berko waren aber nur ein Teil der negativen Begleiterscheinungen. Konnte die teilweise chaotische Parkplatzsuche noch schnell abgehakt werden, war die Einlasssituation eines Profiklubs schon wieder unwürdig. Warum der Einlass erst 90 Minuten vor Anpfiff öffnet, wenn man weiß, dass zig Tausend Gästefans kommen: Unbegreiflich. So warteten schon Hunderte am Einlass als der Fanmarsch ankam. Wenn man schon meint, eine Vorkontrolle verschnörkelt vorm Eingang einrichten zu müssen, dann sollte das auch kenntlich sein. So führte die Polizei den Fanmarsch erst an dem Nadelör von Eingang vorbei, um dann die gesamte Meute auf die langgezogene auf Bauchhöhe vergitterte Flanke des Einlasses treffen zu lassen, was man bei einer Menschenmenge natürlich nicht mehr sieht. Wer vorher nicht schon in Schlamm und Stolperfallen Probleme bekam, wurde dann eben ans Gitter gedrückt und wahlweise von Ordnern oder Polizisten drangsaliert.

Nicht nachzuvollziehende Dummheit musste man sich dann auch teilweise im Zuschauerbereich wieder bieten lassen. Abgesehen von vereinzeltem verbalem Abfall einiger Individuen, fiel vor allem ein unfassbar geistreiches Spruchband auf. Wenn massenhaft Heim- und Gästefans sowie neutrale Beobachter in gleicher Weise auf ein Spruchband reagieren, war es entweder richtig gut, vielleicht sogar lustig oder einfach nur ein so tiefer Griff ins Klo, dass es ni nur der Duft von Scheiße ist, der die Nase berührt. Wir meinen, unsere Fanszene ist dann doch ein bissl gewitzter und hat eigentlich viel mehr drauf! Für rassistische Hirnireime ist da kein Platz! Sport frei!

Rückblick auf die FARE-Aktion in Dresden

Am FARE-Aktions-Samstag, dem 18.10.2014, holte unsere SG Dynamo Dresden in einem torlosen Spiel gegen Fortuna Köln einen Punkt und verpasste damit den Sprung an die Tabellenspitze. Das Spiel war leider nicht unbedingt das Sehenswerteste, doch dafür trug unsere Elf erneut Trikots mit der Aufschrift LOVE DYNAMO – HATE RACISM. Darüber hinaus wurden 20 Asylsuchende von Dynamo-Fans zum Spielbesuch eingeladen und ins Stadion begleitet. Zusätzlich wurden u.a.Wollschals mit dem Aufdruck LOVE DYNAMO – HATE RACISM produziert, die ihr jetzt auch im Fanshop erwerben könnt. Aktuell planen wir noch ein Fussballtraining für Flüchtlingskinder in Zusammenarbeit mit der Nachwuchsakademie der SGD im Rahmen der FARE-Aktionswochen.

Alles in allem schien es ein runder Spieltag zu sein, mit unseren Gästen verbrachten wir einen schönen Tag im Stadion, die SGD konnte sich weiter in der Spitzengruppe der Tabelle festsetzen und so waren wir alle trotz des Spielergebnisses doch relativ zufrieden.

Am Mittwoch nach dem Spiel mussten wir allerdings eine Pressemitteilung der Polizei zur Kenntnis nehmen, in der von einem ekelhaften Übergriff auf drei tunesische Staatsangehörige die Rede ist. Auch wenn die Hintergründe noch nicht geklärt sind, motivieren uns solche Vorkommnisse nur um so mehr, Rassismus bei unserer SG Dynamo, in Dresden, in Sachsen, in Deutschland und überall kontinuierlich entgegen zu treten! Wir werden versuchen, in Kontakt mit den Opfern zu treten und sie zu unseren Heimspielen einzuladen, damit unser Stadion das bleibt, was alle immer erzählen: ein bunter Querschnitt unserer Gesellschaft.
LOVE DYNAMO – HATE RACISM