Tag Archiv für Fanprojekt

Alltag aus, Stadion an!

asylsymb
Am vergangenen Wochenende begleiteten wir wieder zahlreiche Kinder und Erwachsene, die in Deutschland Asyl suchen, ins Stadion. Der Sieg gegen die Bremer Amateure wurde standesgemäß bejubelt, die Begeisterung war wirklich überwältigend. Auch dank der Unterstützung des Vereins war es somit möglich, vielen Menschen eine zumindest zwischenzeitliche Abwechslung zum häufig recht tristen Alltag in ihren Unterkünften in Moritzburg, Großenhain und Dresden zu verschaffen. An Pfiffe, wie sie von einem offensichtlich äußerst verwöhnten Teil der Fans schon in der ersten Halbzeit zum besten gegeben wurden, war keinesfalls zu denken.

Wir freuen uns außerdem sehr darüber, dass die Initiative solcher Einladungen auch zunehmend von anderen Menschen, Gruppen und Organisationen ausgeht. Danke für den vielfältigen Einsatz!

Leider kam es im Anschluss an das Spiel erneut zu ekelhaften Anfeindungen gegenüber unseren Gästen. Neben dem offen zur Schau getragenen Rassismus spricht auch das Promille-Level dieser Pöbler wirklich Bände. Unterstützt lieber euren Verein mit eurer Stimme und nicht den Caterer mit eurem Suff!

Basteleien und Diskussionen mit Schulen aus Freiberg und Dresden

Auch wenn der zurückliegende Januar weitgehend dynamofrei verlief, hieß das für uns nicht, sich untätig zurück zu lehnen. Gemeinsam mit dem Fanprojekt durften wir im Rahmen des Denk-Anstoß-Projektes «Der Ball ist bunt» wieder zwei Klassen aus Freiberg und Dresden zum gemeinsamen Aufklären und Diskutieren über Rassismus und andere Diskriminierungsformen begrüßen.

Da der sterile VIP-Bereich des Dynamo-Stadions für den gestalterischen Part denkbar ungeeignet ist (und sich die Projektgesellschaft diesbezüglich als sehr pingelig erwiesen hat), sind wir mittlerweile für das Anfertigen von selbstbemalten Nickis, Schals, Fahnen und Aufklebern ins Fanhaus umgezogen. Weiterhin haben wir seit längerem auch einen Teil der Fußballreportage «Rebellen am Ball» von und mit Stürmerlegende Éric Cantona in das Programm integriert. Dabei handelt es sich passenderweise um eine Geschichte des FK Sarajevo, bei welcher der ehemalige jugoslawische Nationalspieler Predrag Pašić während der Belagerung Sarajevos im Bürgerkrieg von 1992 bis 1996 eine multiethnische Fußballschule für Kinder eröffnete. Eine äußerst empfehlenswerte Reportage über fußballerisches Engagement abseits von Millionenlotterie, Medienhysterie und Verbandsinteressen. Weitere Protagonisten sind u.a. Didier Drogba (Elfenbeinküste), Rachid Mekhloufi (Frankreich), Carlos Caszely (Chile) sowie Sócrates und der gesamte Verein Corinthians São Paulo.

Macht euch also am besten euer eigenes Bild und falls 1,5 Stunden Kultur zuviel sein sollten, springt einfach zu Minuten 56:10 um direkt bei Predrag Pašić und dem FK Sarajevo zu landen.

«Fankultur zwischen Panikmache und notwendiger Konfliktschlichtung»

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte am 14.11. zu einem Vortrag des Fanforschers Gerd Dembowski mit anschließender Podiumsdiskussion geladen. Ca. 30 Menschen, darunter zwei Mitglieder unserer Initiative und mehrere bekannte Personen der Dresdner Fanszene, folgten der Veranstaltung.

Die Entstehung des Fußballs im Allgemeinen und der damit zusammenhängenden Gewalt beleuchtete der Soziologe in seinem Vortrag sehr anschaulich. Desweiteren ging er auf die Werte und das Sein eines jeden Fans und speziell der Ultras ein, welche z.T. aus territorialer Abgrenzung, sowie übertriebenen Männlichkeitsritualen besteht, aber auch eine sehr demokratische und heterogene Jugendbewegung hervorgebracht hat, welche trotzdem den Sinn für Rebellion oder Widerstand im progressiven Sinne nicht verloren hat. Gleichzeitig wurde auch über die Kanalisierung und Ventilfunktion von Gewalt im Fußball gesprochen, welche er vor allen Dingen mit Unfreiheit im Alltag (z.B. am Arbeitsplatz, in der Familie…) zu erklären versuchte. Weiterlesen