«Fankultur zwischen Panikmache und notwendiger Konfliktschlichtung»

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatte am 14.11. zu einem Vortrag des Fanforschers Gerd Dembowski mit anschließender Podiumsdiskussion geladen. Ca. 30 Menschen, darunter zwei Mitglieder unserer Initiative und mehrere bekannte Personen der Dresdner Fanszene, folgten der Veranstaltung.

Die Entstehung des Fußballs im Allgemeinen und der damit zusammenhängenden Gewalt beleuchtete der Soziologe in seinem Vortrag sehr anschaulich. Desweiteren ging er auf die Werte und das Sein eines jeden Fans und speziell der Ultras ein, welche z.T. aus territorialer Abgrenzung, sowie übertriebenen Männlichkeitsritualen besteht, aber auch eine sehr demokratische und heterogene Jugendbewegung hervorgebracht hat, welche trotzdem den Sinn für Rebellion oder Widerstand im progressiven Sinne nicht verloren hat. Gleichzeitig wurde auch über die Kanalisierung und Ventilfunktion von Gewalt im Fußball gesprochen, welche er vor allen Dingen mit Unfreiheit im Alltag (z.B. am Arbeitsplatz, in der Familie…) zu erklären versuchte.

An die speziellen Dresdner Probleme z.B. mit der nicht abstreitbaren Gewalt in der Fanszene und der häufig viel zu hysterischen Medienberichterstattung, sowie den Problemen des städtischen Umgangs mit der Fanszene und dem Verein, richtete sich auch die anschließende Podiumsdiskussion. So waren neben Dembowski auch Torsten Rudolph (Leiter des Fanprojekts Dresden e.V.), Tilo Kießling (Stadtrat der LINKEN) und Thilo Alexe (Redakteur der Sächsischen Zeitung) Mitdiskutanten. Moderiert wurde die Veranstaltung von der MdL Verena Meiwald, ebenfalls DIE LINKE und selber bekennender Dynamo-Fan, moderiert.
Einen Großteil der Diskussion nahm die Kritik an den polizeilichen Einsatzkonzepten und der gesellschaftlichen Akzeptanz von Fußballfans ein. Während Rudolph dies am Beispiel des Fanprojektes festmachte, welche immer in der öffentlichen Verteidigung für ihre Arbeit stünden, erzählte Dembowski und der ebenfalls anwesende Vorsänger des K-Blocks, Lehmann, von ihren Erfahrungen mit dem Versagen der Polizei und die Medienhysterie, beispielsweise anlässlich des Spiels in Hannover. Kießling betonte daraufhin auch, dass die so genannten Krawalle später auch politisch ausschlachtbar seien und neues Öl in das Feuer der Law-and-Order-Politik z.B. eines Lorenz Caffier (Vorsitzender der Innenministerkonferenz) gießt. Thilo Alexe verteidigte insbesondere die lokalen Medien und sprach von einer spielbezogenen und sachlichen Analyse der Ereignisse. Vielmehr seien auch die örtlichen Medien an den Auswärtsspielorten für das schlechte Bild verantwortlich, schließlich seien beispielsweise die Bürger in Sandhausen eine so hohe Präsenz an Polizei und möglicherweise «kräftigeren Dresdnern» nicht gewohnt. Allerdings sagte Alexe auch, dass über nichts auch nicht berichtet werden könne, lobte jedoch die Fanszene von Dynamo als mittlerweile reifer und offener als früher.

Ebenfalls als äußerst positiv wurde die Antirassismus-Arbeit von Seiten des Vereins und der Fanbasis gesehen, namentlich nannte Torsten Rudolph dabei unsere Initiative. Lehmann betonte außerdem, «die Fanszenen in Deutschland haben schon damit angefangen, wovon alle Politiker nur träumen. Sie haben Freunde in Europa und setzen sich regelmäßig mit deren Kultur auseinander und besuchen diese auch!». Nicht ohne Anerkennung sagte Tilo Kießling auch noch einmal, wie gut die Ultras und die Fanszene doch insgesamt vernetzt seien und wie langsam die Mobilisierung von Menschen doch dagegen bei den Gewerkschaften oder einzelnen Parteien dauere. Ein Vergleich, der für das ein oder andere Schmunzeln sorgte.

Abschließend wurden noch die Wünsche geäußert, wie Dynamo in 5 Jahren aussehen soll. Neben dem sportlichen Verbleib in Liga 2, bei dem sich alle Beteiligten einig waren, forderte Alexe eine Verminderung der Gewalt in der Fanszene. Eine verbesserte oder gleichbleibende Kommunikation mit UD und anderen wichtigen Gruppen waren die Wünsche des FP bzw. des Fanbeauftragten Marek Lange, während eben jene Gruppe die Legalisierung von Pyrotechnik und einen repressionsfreien Freiraum forderte. Auch von Seiten des Stadtrates wurde dem Verein alles Gute gewünscht, wobei hierbei Kießling explizit mehr Toleranz der Stadtoberen im Umgang mit Dynamo-Fans einforderte und hoffte, dass der Verein in 5 Jahren keinem übermächtigen Mäzen gehört.

Alles in allem war es eine sehr gut moderierte Veranstaltung mit kompetenter Podiumsbesetzung. Insbesondere die Einbeziehung der anwesenden aktiven Fanszene wurde positiv angenommen. Etwas bescheiden war dagegen die Werbung für eben jene Veranstaltung, da sie doch nur über die Kanäle der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Linkspartei gingen, vielleicht wäre es dann zu einer größeren Bandbreite an Publikumsgästen gekommen, z.B. durch Kritiker der Fanszene oder «normale» Stadionbesucher. Außerdem wäre ein Gegenpart auf dem Podium schön gewesen, beispielsweise ein Vertreter der Polizei oder der CDU. So war es dennoch ein sehr lockerer und schöner Abend, welcher noch einmal in ähnlicher Form wiederholt werden soll.

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