2. Offener Fanbrief der aktiven Fanszene an die Geschäftsführung und alle Gremien der SGD

Sehr geehrter Herr Müller, sehr geehrter Herr Gabriel, sehr geehrte Gremienmitglieder,

sgdwir beziehen uns heute auf unseren „Offenen Brief“ vom 16. September 2013 und das am 23. September in der Geschäftsstelle der SGD stattgefundene 25. Turnustreffen zwischen Fanvertretern und der Geschäftsführung der SGD. Die von Ihnen vorgetragenen Gründe für den Verzicht des Klageweges haben wir fanszeneintern besprochen und ein weiteres Mal ausgewertet. Abschließend sind wir zu dem gemeinsamen Entschluss gekommen, dass uns die bis heute vorliegenden Gründe für einen Klageverzicht nicht überzeugt haben und wir für den vorgeschlagenen Schmusekurs mit dem DFB nicht zur Verfügung stehen werden. Mittel- und langfristig ist ein Klageverzicht ohne wirklichen Fortschritt in der Sache existenzgefährdend für unseren Verein.

Unser Präsident Andreas Ritter hat beim 2. offenen Fantreffen am 08. März 2013 nach eingeholter Zustimmung aller anwesenden Fans und Vereinsmitglieder, unter dem anhaltenden Beifall des Aufsichtsratsvorsitzenden, vieler Gremienmitglieder und insbesondere dem von Herr Müller, die den Verein einende, verbindliche Richtlinie bekannt gegeben: Wir gehen durch alle Instanzen um Recht zu erhalten! Diesen Weg haben wir gemeinsam beschlossen und für diesen Weg erhalten Sie auch unsere volle Unterstützung. Bereits damals war uns bewusst, dass dies ein steiniger Weg mit Rückschlägen sein wird, aber wir waren und sind weiter bereit, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen zu gehen. „Wir alle gemeinsam durch alle Instanzen“ – so lautete der Konsens und der Slogan, mit dem wir aus der Veranstaltung gegangen sind!

Die Fanszene hat zu der o. g. Veranstaltung als Zeichen der Unterstützung einen strengen Maßnahmenkatalog aufgestellt und sich bis heute daran gehalten. Ein Maßnahmenkatalog, der unsere Fanrechte in vielen Punkten sehr stark eingeschränkt hat und für den wir viel Aufklärungsarbeit innerhalb der Fanszene leisten mussten. Was hat sich denn seit dem 08. März an der Ausgangslage verändert? Nichts. Oder besser: Wir haben alle viel Kraft und vor allem auch sehr viel Geld investiert, um unseren rechtlichen Standpunkt bei den Verbandsgerichten und auch per „Einstweiliger Verfügung“ vor dem OLG Frankfurt/Main geltend zu machen, die ungerechte Bestrafung durch den DFB-Pokalausschluss als solche zu qualifizieren. Mit allen Konsequenzen!

Im Urteil des DFB zu den Vorkommnissen in Hannover 2012 hat man uns in einmaliger, exemplarischer Weise schriftlich bestätigt, dass wir als Verein keinen Fehler begangen haben – aber trotzdem bestraft werden. Daran gilt es immer wieder zu erinnern! Diese Urteilsbegründung „nicht schuldig aber dennoch bestraft“ wird es so in dieser Form nie wieder geben. Es gibt hier und jetzt die einmalige Chance, gegen diese Bestrafung vorzugehen. Nur durch die Aufrechterhaltung der Klage führt der DFB mit unserem Verein weiter Gespräche auf Augenhöhe und hat dadurch seine harte Linie gegenüber allen Vereinen (allerdings bisher nur als mündliche Ankündigung) verlassen. Bei all unseren Aktivitäten sollten wir uns dessen bewusst sein! Sollte uns seitens des DFB in den nächsten Wochen wider Erwarten eine belastbares Angebot hinsichtlich einer finanziellen Entschädigung o. ä. erreichen oder sollte sich im Ergebnis des DFB-Bundestag die rechtliche Basis in Sachen § 9a DFB RuVO in unserem Sinne grundlegend ändern, so sind wir jederzeit in der Lage, die Klage zurück zu nehmen.

Es ist auch nochmals daran zu erinnern, dass wir in den letzten Monaten bereits ca. 130.000 – 150.000 Euro in unsere Rechtsvertretung investiert haben. Der Verein hat ein Rechtsgutachten erstellen lassen, dass uns guten Chancen für den Klageweg bescheinigt. Diese Kosten kommen auf den durch den Pokalausschluss entstandenen Schaden noch zusätzlich „oben drauf“, wenn wir jetzt aufgeben würden. Selbst wenn uns der DFB als Angebot bei den noch offenen Strafverfahren entgegenkommt, so bleiben wir auf dem Löwenanteil des Schadens nach derzeitigem Stand der Gespräche sitzen. Hier lohnt sich auch ein Blick über den Tellerrand auf die in dieser Woche veröffentlichten Statistiken zu den Strafzahlungen der deutschen Fußballvereine an den DFB.

Die Geschäftsführung ist hier auch an das oberste Prinzip ihrer Arbeit zu erinnern: sorgsam mit dem Vereinsvermögen umzugehen und Schaden abzuwenden. Wenn man in der Mitte des Rechtsweges nun gegen den Willen seiner Mitglieder und Fans aufgibt, waren alle bis dahin getätigten Ausgaben sinnlos und Geldverschwendung! Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Wir können nicht erst gemeinsam und einstimmig den Bau einer Brücke beschließen und dann nach Stellung der Brückenpfeiler diesen Bau einfach beenden.
Zahlt die Geschäftsführung die vergeudeten Gelder dann aus der eigenen Tasche zurück bzw. übernimmt deren Haftpflichtversicherung? Das ist Geld, welches wir sonst in die Nachwuchsarbeit unseres Vereins oder namhafte Gegner zu Freundschaftsspielen an den Pokalterminen hätten investieren können. Es sei deshalb auch an dieser Stelle nochmals an die Aktionen „Geistertickets“ und den „FDGB-Pokal“ erinnert. Der Klageverzicht wäre daher ein Schlag ins Gesicht aller Dynamofans!

Wir als Verein werden, wenn wir jetzt inkonsequent handeln, nur noch mehr verlieren – und auf keinen Fall nachhaltigen Erfolg haben! Wir sind aus dem Pokal ausgeschlossen worden, mit gravierenden Folgen für unser Image und unsere Finanzen. Wir haben danach sehr viel Geld in die gemeinsam beschlossene Wahrung unseres Rechtsstandpunktes investiert. Jede Gegenrechnung, jeder Deal mit Aufrechnung von Strafen ändert nichts am grundsätzlichen Problem der nach wie vor möglichen Anwendung des § 9a der DFB-Rechts- und Verfahrensordnun , welches für unseren Verein eine existenzielle Bedrohung darstellt! Dagegen gilt es sich zu wehren, gemeinsam und mit allen uns zustehenden Mitteln! Wer jetzt diesen Konsens verlässt, der gefährdet auch die Zusammenarbeit im Verein, zwischen Geschäftsführung, Gremien, Fans und Mitgliedern in erheblichem Maße! Es gibt auch nicht wenig Stimmen in unseren Reihen, die bezeichnen diese Handlung kurz und knapp als Verrat an unserem Verein oder meinen, einen Wolf im Schafspelz erkannt zu haben.

Im Ergebnis fordern wir Sie also noch einmal dringend und ausdrücklich auf, die fertig ausgearbeitete Klage gegen den DFB, betreffend des Pokalausschlusses in der Saison 2013/14, fristgerecht bis zum 30.09.2013 einzureichen und unseren gemeinsamen Kampf gegen die ungerechte Bestrafung der SG Dynamo Dresden (und für den Wegfall des § 9a der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung) konsequent fortzuführen!

Mit dynamischen Grüßen

1953international
Aktivist 53
Army of Dresden West
Baracudas Dynamo
Brigade 53
Bündnis Pro Fankultur
Commando Elbhorde
Commando Spass
Companeros Dynamo
Curva East Supporters
Devils Dynamo
Dresden Ost
Dresden Süd
Eastcalibur
East Crew Dynamo
Eastside Dresden
Elbtal Rebellen
Exil Dynamos Hannover
FC Finsterwalde
Fanclub „Fette Elke“ Großpösna
Fanclub Görlitz Niederschlesien
Fanclub Großröhrsdorf
Fanclub Prohlis
Fanclub Bad Schandau
Fanclub Trachau
Fangemeinschaft Dynamo e.V.
Fatal Error
Freak Boyz
Gelbsucht Dynamo
Giallo Nero Bastardi
Hellerauer Ultra Fraktion
Hornets Dynamo
Jokers Radeberg
Jugendbande Sächsische Schweiz
Kompanie Heidenheim
Oberland Dynamos
OSL Bande
Ost – Sektor
Pro RHS
Schneller Hase
Schwarz-Gelbe Hilfe
Sektion Oschatz
SGD Fanclub Canitz/Riesa
SGD Supporters Bautzen
Snakes Dynamo
South Boys Dynamo
Stadtrandkollonne
Strauchdiebe
Team Durst
Tharandter Fanclub Walter Fritzsch
ULTRAS DYNAMO
Yellow Madness 1999
Young Boys Dynamo
Zukunft Dynamo
+ alle weiteren Fanclubs & Organisationen, die sich damit identifizieren und wir in der Kürze der Zeit nicht direkt kontaktieren konnten.

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6 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Dynamo, gewinnen und siegen!!! Warum dem Schwanz einziehen?

  2. Brandinger sagt:

    Liebe 1953ziger, so gut ich eure Aktionen finden, so schlecht ist dieser offene Brief. Zum einen sprecht ihr nicht für alle Mitglieder geschweige denn Fans. Im Gegenteil. Bei einer Mitgliederbefragung würde wohl eher der Klageverzicht eine Mehrheit bekommen. Ihr macht es euch also zu leicht, wenn ihr von Verrat und dem Wolf im Schafspelz sprecht. Natürlich ist es eine schwierige Entscheidung. Aber ich bin da ganz bei Herrn Müller, wenn er sagt, dass wir zukunftsorientiert handeln müssen und nicht rückwärtsgewandt.

    Deshalb hoffe ich inständig, dass die Geschäftsführung ihrem obersten Auftrag nachkommt und Schaden vom Verein abwendet. Auch wenn das in diesem Zusammenhang bedeutet, Teile der Fanszene zu enttäuschen. Aber das Wohl des Vereins darf nicht darunter leiden, dass einige Gruppen ihre Fehde mit dem DFB bis zum bitteren Ende führen wollen. Gerechtigkeitsempfinden hin oder her. Bei einer Klage gibt man das einzige Druckmittel aus der Hand. Das wäre äußerst ungeschickt, wenn man in Zukunft verbandspolitisch mitgestalten möchte. Wie bei jedem guten Poker muss man noch einen Trumpf in der Hinterhand behalten.

    Dynamische Grüße!

  3. Karla sagt:

    Hey Brandinger, danke für deine Einschätzung. Zugegeben, es gibt kein absolutes „Pro“ oder ein absolutes „Contra“ zur Klage. Fans und Mitglieder sind da auch gespalten, das zeigt sich ja überall. Ob es wirklich eine Mehrheit für einen Klageverzicht geben würde ist natürlich eine steile These, die Umfragen im Mitgliederforum machen da eher einen anderen Eindruck, aber die sind halt auch nicht verbindlich.

    Es geht auch gar nicht darum, eine Klage auf Biegen und Brechen durchzubringen, sondern sie die Option der Klage in der Hinterhand zu behalten. Genau das soll nämlich aufgegeben werden. Man möchte dem DFB vertrauen, dass die Absprachen eingehalten werden – aber vom Verband möchte das niemand schriftlich bestätigen. Das ist schon sehr dubios. Und ein Bedrohungsszenario, was der DFB Dynamo gegenüber aufbaut, wenn wir den Klageweg fortschreiten, geht einfach gar nicht. Das sind total legitime und demokratische Prozesse in einem Staat, Gerichtsentscheidungen anzufechten. Daran ist ist doch eigentlich nichts verwerfliches!

    Aber, wie du schon richtig gesagt hast, das ist einfach eine komplizierte Angelegenheit. Der Brief hat aber auch nicht den Anspruch, für alle Mitglieder und Fans zu sprechen. Danke für deine Rückmeldung!

  4. Brandinger sagt:

    Hallo Karla, meiner Ansicht nach habt ihr da etwas falsch verstanden. Bei der Info-Veranstaltung zum weiteren Vorgehen hinsichtlich des Pokalausschlusses gab es dazu einen eindeutige Stellungnahme. Natürlich läßt man sich das Angebot des DFB schriftlich bestätigen und selbstverständlich behält man die vorbereitete Klage in der Schublade.
    Wie gesagt, wenn der Verein jetzt vor ein Zivilgericht zieht, gibt man das Druckmittel aus der Hand. Es ist dann für immer verloren, ob man den Prozess nun verliert, gewinnt oder mit einem Vergleich endet.

    Wie viele Mitglieder sind denn bei diesem Mitgliederforum aktiv? Ich spreche von der schweigenden Mehrheit. In meinem Umfeld kenne ich niemanden, der die Fortsetzung des Rechtsstreits befürwortet.

    Natürlich ist es legitim eine Gerichtsentscheidung anzufechten. Dynamo ist aber diesbezüglich schon in drei Instanzen gescheitert. Außerdem hat der letzte DFB-Bundestag die Weichen dahin gestellt, dass das Prinzip der verschuldensunabhängigen Haftung der Vereine beseitigt wird. Selbst wenn Dynamo Recht bekäme, wäre das eigentliche Anliegen also schon erfüllt. Wofür also das Ganze? Für eine mickrige Entschädigung? Da sollte der Verein lieber das Angebot des DFB annehmen und das Vorstrafenregister löschen lassen.

    Dynamische Grüße!

    PS.: Kann man eigentlich bei euch mitmachen? Ich hätte auch schon eine Idee für eine schöne Aktion… „Sag ‚Ja!‘ zum Klageverzicht!“

  5. Karla sagt:

    Hey Brandinger,

    natürlich liegt es im Interesse der SGD, eine schriftliche Bestätigung der angebrachten Vorschläge zu bekommen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es diese auch gibt. Dazu gibt es nämlich auch ganz andere Aussagen, die darauf hindeuten, dass es eben solche eine Vereinbarung nicht geben wird. Genaueres wird man dann vielleicht zur Mitgliederversammlung hören. Zudem ist es sehr wohl so, dass wir das Druckmittel aus der Hand geben, wenn jetzt nicht geklagt wird, da die bisherigen Urteile damit als akzeptiert gelten und dann in der Folge (nach Ablauf der Frist Ende November) nicht mehr rechtlich überprüft werden können. Die Urteile wären dann rechtskräftig! Wir können dann nicht einfach spontan sagen, dass wir die Klageoption einfach mal rausholen aus der Schublade und weitermachen, wenn sich der DFB an mündliche Absprachen nicht hält. Wenn wir aber die Option der Klage weiter verfolgen und damit den Druck aufrecht erhalten, kann man bei einem akzeptablen schriftliche Angebot immernoch vor der Tür des Gerichtssaals sagen „Hey, okay, wir ziehen zurück“.

    Versteh mich nicht falsch, es gibt einfach nicht DEN Weg, es ist alles mit Risiken verbunden, auch der Klageweg, aber so ohnmächtig, wie es immer dargestellt wird, sind wir nicht. Aber du hast natürlich Recht mit deiner Einschätzung, dass wir bereits in einigen Instanzen gescheitert sind. Ich denke, dass alle Positionen gute Argumente auf ihrer Seite haben – am Ende ist es eine Sache des Glaubens. Da scheiden sich die Geister, aber so ist das halt. Eigentlich haben wir mit unserem Arbeitsschwerpunkt „Anti-Diskrimierung“ auch genug um die Ohren.

    Viele Grüße und danke für dein Statement
    Karla

  6. Karla sagt:

    Christian Müller hat heute übrigens in der Bildzeitung gesagt, dass es eine schriftliche Bestätigung für den Deal geben soll. Nur der Vollständigkeit halber. ;-)