Tag Archiv für Stolpersteine

9. Nov.: Andacht an „unseren“ Stolpersteinen

stolpersteine15Am 9. November 2015 besorgten es sich zahlreiche Bürger in Dresden wieder selbst. Ihren Höhepunkt fanden die angsterfüllten Teilnehmer erneut in kruden Theorien: laut einer Rednerin dieses Sektenzirkels würden die sogenannten Gutmenschen angeblich die Bücher von Erich Kästner verbrennen. Außerdem müsste endlich mal Schluss sein mit diesem ganzen nervigen „Schuldkomplex“ hinsichtlich der Vergasung von Millionen von Menschen und so. Wird ja auch mal Zeit, immerhin sind wir ja alle später geboren und können nichts dafür. Wir haben ja alle auch endlich gelernt, so etwas wird uns nicht nochmal passieren. Um das zu belegen, kokettieren wir mit menschenverachtender Rhetorik und Logik – es ist ja schon so lange her, das kann uns doch auf keinen Fall nochmal passieren.

Während die Retter des christlich-jüdischen Abendlandes nun also Woche für Woche den gleichen Unsinn von sich geben, haben wir uns am Montag mal unserem „Schuldkomplex“ hingegeben. Im Rahmen dieses geschichtsträchtigen Tages putzten wir unsere fünf gestifteten Stolpersteine in der Nähe der Schauburg – dem Gründungsort der SGD – und gedachten mit Blumen und Kerzen, stellvertretend für alle Opfer der NS-Diktatur, der Familie Urbach.

Die oftmals beschworene „christlich-jüdische Abendlandkultur“ spielte dann offenkundig für einige Teilnehmer der Demonstration keine Rolle mehr. Blumen und Kerzen, die im Rahmen der Andacht zum 9. November an verschiedenen Standorten in Dresden niedergelegt wurden, wurden einfach weggetreten.

Sächsische Zeitung: Putzen statt Kicken

1953international stiftet fünf Stolpersteine

Am heutigen Donnerstag wurden in ganz Dresden 18 neue Stolpersteine verlegt. Auch durch die Erlöse der Trikotsversteigerung aus der letzten Saison war es uns möglich, uns an diesem Projekt zu beteiligen. So recherchierten wir die Geschichte der Familie Urbach, die auf der Königsbrücker Straße, ganz in der Nähe der Gründungsstätte unserer SGD — dem Filmtheater Schauburg — ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatte, ehe sie bei der sogenannten «Polenaktion» abgeschoben wurde. Ein Teil der Familie konnte fliehen.

Benjamin Jacob, Martha und Sohn Siegfried Urbach wurden zwischen 1936 und 1938 von der Königsbrücker Straße 37 nach Polen ausgewiesen. Sie sind dort verschollen und höchstwahrscheinlich umgekommen. Auch Edith und Fanny Urbach, 1938 gerade einmal 16 und 17 Jahre alt, litten unter den Nazis. Ihnen gelang die Flucht, sie überlebten den Krieg in Palästina. Etwa 200 m entfernt von der Königsbrücker Str. 37 wurde 1953, also 15 Jahre später, die SG Dynamo Dresden im Filmtheater Schauburg gegründet. An eine Erinnerung oder gar Aufarbeitung der Verbrechen im Nationalsozialismus war damals noch nicht zu denken. Auch heutzutage bleibt diese Aufarbeitung nicht immer selbstverständlich. Um auch gesellschaftliche Bereiche zu sensibilisieren, in denen menschenfeindliche Einstellungen auch mal gleichgültig hingenommen werden, möchten wir versuchen eine stärkere Auseinandersetzung mit dieser Thematik zu erreichen, indem wir eine symbolische Brücke bauen zwischen der grausamen Vergangenheit des Nationalsozialismus und dem Gründungsort der SG Dynamo Dresden.

Versteigerung der Sondertrikots

Zwischenstand:

Benni Kirsten: 500 €
Cheikh Gueye: 420 €
Romain Brégerie: 420 €
Robert Koch: 400 €
Cristian Fiel: 499 €
Mickael Poté: 650 €

Nachdem zum Spiel gegen Braunschweig unsere Truppe in «LOVE DYNAMO — HATE RACISM»-Trikots aufgetreten ist, werden selbige nun wie angekündigt für drei Projekte versteigert.

«LOVE DYNAMO — HATE RACISM»-Trikot beim Spiel gegen Braunschweig

Von den Erlösen möchten wir zum einen mehrere «Internationale Abende» mit jungen Fans realisieren, wie sie bereits im Fanprojekt Dresden stattgefunden haben. Zum anderen soll in Zusammenarbeit mit der SG Dynamo asylsuchenden Menschen aus der Umgebung die Möglichkeit geboten werden, ein Fußballspiel der SGD zu besuchen und dabei thematisch auf die sogenannte «Residenzpflicht» aufmerksam machen. Diese verbietet es Asylbewerbern und teilweise auch «Geduldeten», ihren Landkreis zu verlassen und damit beispielsweise Fußballspiele zu besuchen. Zusätzlich wird das weitere Geld aus der Versteigerung der Trikots der Aktion «Stolpersteine Dresden» gespendet, die an das Schicksal von Dresdnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden, erinnert.

Wir werden dann selbstverständlich im Detail über die jeweiligen Projekte informieren.