Podiumsdiskussion «Fangesänge und Parolen» in Dresden

Am gestrigen Dienstag versammelten sich in der Jüdischen Gemeinde am Elbufer rund 45 Interessierte zur Podiumsdiskussion «Fangesänge und Parolen – Rassismus im Stadion». Moderiert wurde die Gesprächsrunde vom Journalisten und Buchautoren Michael Kraske, der einigen Fußballfans wohl aus der Sächsischen Zeitung ein Begriff sein könnte.

Fangesänge und Parolen – Rassismus im Stadion. v.l.n.r.: Gerhard Breiter, Jan Tölva, Michael Kraske, Torsten Rudolph, Veit Pätzug

Neben dem Fanprojekt Dresden, welches durch Torsten Rudolph vertreten wurde, nahmen auch Gerhard Breiter, Vizepräsident für Soziales beim «Stadtverband Fußball Dresden» und Veit Pätzug («Schwarzer Hals, Gelbe Zähne») auf dem Podium Platz. Zudem beteiligte sich Jan Tölva, Soziologe, freier Journalist und Blogger am Diskurs. Während es Moderator Michael Kraske nur selten schaffte, neue Kontroversen anzustoßen, waren speziell die Ausführungen Gerhard Breiters zum Dresdner Makkabi-Cup und anderen Projekten des städtischen Fußballverbandes durchaus interessant. Breiter stellte besonders die Vernetzung zwischen kleinen Fußballkreisverbänden und Initiativen in den Fokus und wünschte sich von der SG Dynamo Dresden, die leider nicht anwesend sein konnte, dass sie sich bewusster mit ihrer sozialen Verantwortung gegenüber der jungen Generation auseinandersetzen müsse. Zudem kritisierte er die bloße Reduzierung antidiskriminierender Präventionsarbeit auf öffentlichkeitswirksame «Rote-Karten-Aktionen» − dass er mit solchen Statements mitunter als «Nestbeschmutzer» gilt, nähme er gern in Kauf.

Torsten Rudolph vom Fanprojekt Dresden legte besonderen Wert darauf, dass Veränderung und Selbstregulierung nur durch langfristige, kontinuierliche Arbeit von Fanprojekten umzusetzen seien und politische Forderungen nach schnellen Lösungen auf Dauer keine Alternative zur Fansozialarbeit darstellen können. Zudem verdeutlichte Rudolph, welche Schwierigkeiten sich für das Fanprojekt in der Arbeit mit vermeintlich «rechten» Jugendgruppen und nicht politisierten Jugendlichen ergeben. Zudem sprach er davon, dass er Initiativen und Fangruppierungen wie 1953international für unterstützenswert halte.

Veit Pätzug verdeutlichte, welche Entwicklung die Fanszene in den letzten 30 Jahren genommen habe und wie Rassismus und Antisemitismus über Jahre hinweg unwidersprochen Raum im Fanblock gefunden haben. Den Bogen zu dem oft so genannten «gesellschaftlichen Spiegelbild» spannte dann Jan Tölva, indem er von weit verbreiteten menschenfeindlichen Einstellungen innerhalb der Bevölkerung berichtete. Er stellte dar, welche Hemmschwellen es gibt, latent diskriminierende Einstellungen dann auch zu tatsächlich artikulieren. Eine fremdenfeindliche Einstellung bedeute demnach nicht, im Stadion auch rassistische Gesänge für gut zu befinden. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde über Wege debattiert, Rassismus und Antisemitismus entgegenzutreten.
Es bleibt festzuhalten, dass der vom Hatikva e.V. organisierte Abend durchaus interessant war. Besonders positiv wirkte die durchaus differenzierte Betrachtungsweise der Podiumsteilnehmer − so wurde klar zwischen Gewalt, Pyrotechnik und Rassismus getrennt −, etwas zu kurz kam unserer Ansicht nach, wie mit rassistischen Ausfällen in den Stadien umgegangen werden müsse und welche Funktionen bzw. Wirkungen die verhängten Strafen für Verbände und Vereine haben.

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